2008/01/09

neue fotos für euch alle

Da ich nicht mit "Schulden" wieder nach Hause zurück kommen will, habe ich gestern eine kleine Nachtschicht eingelegt und fast alle restlichen Fotos durchforstet und einige für euch zusammengestellt. Hier könnt ihr euch jetzt also endlich am Rest unserer Reise laben bis wir dann persönlich vor euch stehen und akustisch schwärmen ohne Ende..

auf dem Weg nach und in Winnipeg:



auf nach Saskatoon, wo wir früh, sehr früh am Morgen ankamen:



weiter nach Edmonton durch die Prärie:


Stadtteil Old Strathcona:


ab hier jetzt die riesige Spaß- und Einkaufsmall:


und Downtown
Und dann waren wir plötzlich wieder in Kamloops zwischen der Notwendigkeit, riesig viel Zeug in unsere wenigen Taschen packen zu müssen und einem Punkkonzert inklusive Levon als Gitarristen. Aber auch das ging schnell vorbei und schon fanden wir uns in Vancouver angekommen.



Vancouver ist übrigens großartig. Eine sehr bunte Stadt, in der man alles haben kann, was man will: Aufregung, Stille, Wolkenkratzer, Hafengelände mit Yachten, Parks und riesige Grünflächen, alte Steinbauten, ein Chinatown mit allem, was man braucht, um zum Chinatum zu konvertieren, Blick auf den Pazifik und so weiter. Nach Montreal ist dies wirklich wieder einmal eine Stadt, in der ich mich dauerhaft niederlassen könnte. Also für alle, die demnächst Vancouver ansteuern: es wird euch unglaublich gefallen! Auch, wenn hier sehr oft Regen angesagt ist, ist es wundersschön hier.

kanadischer Kulturschock..

Ein kleines Resumée am Ende mit persönlichen Eindrücken von Land, Leuten und dem Gefühl, hier zu sein..

was ich vermisse:
1 Telefonate und Gespräche mit Freunden
2 gesundes Essen
2a Käse, der nicht nur wie ein fester brocken Chemie erscheint
2b günstige Fleischprodukte, die nicht vor Fett triefen oder bereits paniert sind
2c Schwarz- oder zumindest festes dunkles Brot mit Kräuterquark
2d ich reduziere bescheiden auf nicht weiches, hauptsächlich aus Backpulver bestehendes Brot mit Quark
3 Milka-Schokolade
4 Laubbäume, nahen Wald und sattes Grün jeden Tag um mich herum
5 Kommilitonen, die genauso eigenartig und nicht konsumorientiert sind wie ich, die für Wissen und Erfahrung, nicht für Credits und Geld studieren, sondern fürs Leben (ja, fellow KuWis, ich vermisse euch!)
6 mein Fahrrad und die Möglichkeit, mit ihm den morgendlichen Uniweg bestreiten zu können
7 kurzes und prägnantes Theater, das nicht alle Fäden so zu Ende führt, dass alle Fragen gelöst werden und nichts zum Überlegen und Diskutieren bleibt
8 manchmal einfach nur ganz allein zu Hause zu sein
9 ein Radio und darin laufend Tonkuhle und somit immer gute und gemischte Musik um mich herum
10 Glühwein, Weihnachtsmarkt, Adventskränze und geselliges Plätzchenknuspern
11 komfortables Zugfahren
12 Bücher in deutscher Sprache kaufen oder in der Bibliothek leihen zu können und sie beliebig kopieren zu können, ohne sich strafbar zu machen
13 innerhalb von kurzer Zeit ganz woanders an einem anderen belebten! Ort sein zu können

was mich irritiert:
1 nicht zu klopfen, wenn die Vorlesung oder das Seminar vorbei sind
2 die übertrieben große Privatsphäre, die Kandadier um sich herum fast überall einhalten
3 jeden Morgen die Überraschung, dass ja alle englisch mit mir reden
4 Clubpackungen Schinken, Käse und Cornflakes und Milch, die circa ein Kilo/4 Liter beherbergen und ewig nicht alle werden
4b Mehl, Zucker, Nudeln, Reis oder Brühe dagegen einzeln in beliebiger Menge zu kaufen und der Preis einer 1kg- Mehlpackung, der genauso hoch ist wie der einer 10kg-Packung
4c beim Gemüsekaufen den Pfundpreis angezeigt zu bekommen, was oft zu Fehlannahmen führt und auch nicht ein halbes Kilogramm meint, sondern 454 Gramm
5 die Tatsache, dass ich inzwischen schon englisch denke und das Deutsche immer schwerer fällt
6 die Ahornblätter, die auf jedem Produkt prangen als würde es ohne dieses kanadische Symbol niemand kaufen
7 ständig die Uhr umstellen zu müssen, wenn ich nur die Grenze zur Nachbarprovinz überquere
8 Partys, auf denen halb zehn schon alle gut angetrunken sind, obwohl die günstigste Flasche Wein nicht unter 15, ein Sixpack Bier nicht unter 10 Dollar zu haben ist
9 überall auf dem Campus und in den Seminarräumen eine Uhr an der Wand zu haben (die sich in ihrer Zeitangabe grundsätzlich von allen anderen unterscheidet)
10 links gelenkte Autos, obwohl so vieles unglaublich britisch ist
11 Flip-Flops und Miniröcke bei Minus 10 Grad Celsius über den Campus wandern zu sehen
12 Professoren, die zum Teil die exakte Aufgabenstelllung ihrer Klausuren vorher anschreiben, mindestens aber die äußere Form der einzelnen Aufgaben, um sicher zu stellen, dass jeder sie versteht
13 das Telefonsystem
13a die Qualität von Telefonverbindungen, die bei Anrufen von Deutschland aus besser ist als Ortsgespräche, weil hier grundsätzlich ein Rauschen in der instabilen Innerortsverbindung zu hören ist
13b die Notwendigkeit einer zusätzlichen Fernverbindungstelefonkarte für Außerortsgespräche

was mich nervt:
1 "Excuse me" zu hören, wenn eine Person mich mit drei Metern Abstand umrundet und auch sonst mindestens drei mal die Minute, ohne dass es in irgendeiner Weise tatsächlich ernst gemeint wäre
2 oberflächliches Geschwafle mit stets freudigem Lächeln
2a das ständig durch Straßen und Gänge hallende "How are you?", das Teil einer dann folgenden dreisätzigen Kommunikation ist
2b die absolut überhaupt nicht interessiert klingende Art, in der Kandadier "Aha/Ja/spannender Einwurf" ausdrücken ("mhmmmm")
2c die absolut nicht innovativen Aussagen, zu denen sie diesen Laut auswerfen, was ihn zu einem oberflächlichen, beliebigen macht
3 die an hundert Prozent aller Autos heran reichende Quote an riesigen Trucks in BC, die kaum ein Rancher in den Rockys je wirklich brauchen würde
3a und die Ölkrusten, die auf allen Parkplätzen, an allen Ampeln und überall, wo diese Autos halten, von Undichte des Tanks, Grundwasserverschmutzung und Nichtinteresse für Sparmöglichkeiten zeugen
4 der unglaublich hohe Konsum von allem, was in Geschäften nur angeboten wird und die Menge des damit in Verbindung stehenden Mülls, der meist eher nicht recycelt wird
5 die Scholastik, die zumindest an dieser Uni zu herrschen scheint und gute, innovative, intelligente Inhalte weder verlangt noch fördert
6 die unendliche Verschwendung, die dieser Kontinent betreibt
6a die Wasserverschwendung, die sogar so weit führt, Rasen im Regen zu besprenkeln
6b die Mitarbeiter in allen Läden, die meine Einkäufe ungefragt einzeln in tausend kleine Plastiktüten verpacken
6c Schmelzanlagen für Schnee
6d und vieles mehr
7 die Ungenauigkeit der Busse und des Busplanes sowie die fehlende Angabe der Zeiten an allen Zwischenhalten im Plan und die weder Linie noch Haltezeit angebenden Schilder der Haltestellen
8 die der unvergleichlich hohe und oft unangebrachte Grad an Süßung in vielen Produkten
9 die Magenprobleme, die ich aller hier erhaltbarer Nahrung zuschreibe
10 das Leitungswasser, das ich erst ohne Nasenklammer trinken kann, wenn alles Chlor herausgefiltert ist
11 für eine Dose Handcreme 5 Dollar, für 4 Rollen des billigsten Toilettenpapiers 3 Dollar und für Deo mindestens 4 Dollar zahlen zu müssen (ohne Steuern)
12 das gesamte Steuersystem aus Bundes- und Provinzsteuern, das dazu führt, dass Steuern im Laden überhaupt nie angezeigt werden, sodass man erst an der Kasse nach dem Bezahlen den tatsächlichen Produktpreis weiß, denn Lebensmittel sind zwar steuerfrei, aber auf Limonade muss Provinzsteuer gezahlt werden, aber auf O-Saft nicht und in Quebec sind Provinz-Steuern auf Bustickets zu zahlen und in BC nicht; auch ist das Bier in Alberta im Vergleich zu BC billiger, weil die lokalen Steuern dort nicht so hoch sind und es gibt aber auch Dinge, auf die ist nur Bundessteuer zu zahlen, auf manche wird wiederum beides aufgeschlagen (noch Fragen?)
13 Kanadier, die weniger von ihrem eigenen Land gesehen haben als von den USA oder Europa

was ich vermissen werde:
1 jeden Morgen umgeben von Bergen aufzuwachen
2 unsere drei ständig Haare abwerfenden Plagegeister, die aber meistens ganz lieb und kuschelig sind
3 die unendliche Weite, die es sich unglaublich lohnt zu erkunden, wann immer die Zeit ist, weil die Natur von "Sea to Shining Sea" von Regenwald über Schneeberge, blaue Seen, Prärie und interessanten Städten bis hin zu steilen Küsten und wunderbarem Strand reicht
4 ständig neue Beiträge zu schreiben und Kommentare von vielen lieben Leuten dazu zu erhalten
5 Bananen, die für 20 Cent das Stück verdammt gut schmecken
6 den Greyhound, der gut und meist günstig in (fast) jede Ecke des Landes fährt und unangestrengt jeden Berg bezwingt
7 eine "secret language" zu haben, die (fast immer) niemand versteht
8 mit einem Stapel Papier zu einem der zehn Unidrucker an einem der hundert Unirechner gehen zu können und garantiert einen PC-Platz zu bekommen, um kostenlos meine Unterlagen ausdrucken zu können
9 Wasserspender überall auf dem Campus und anderswo in den Städten zu haben
10 die hundert Prozentige Sicherheit auf Schnee und richtigen Winter
11 überall kostenlose Köstlichkeiten zu erhalten, die in Massen aufgetischt werden weil scheinbar niemand zu Events kommt, wenn es nichts Essbares gibt
12 "Thank you" oder "Bye" zu sagen, wenn ich den Bus verlasse
13 einfach ganz woanders und fremd zu sein..

2008/01/05

neue fotos

Zurück in Kamloops, finally! Moka begrüßte uns auch gleich und der Keller ist gerade mitten im Begriff, fertig gestrichen zu werden, aber Platz für uns war trotzdem und daher haben wir uns gleich noch eine Runde schlafen gelegt als wir gegen 8.00 Uhr morgens endlich hier waren.
Heute abend geht es dann zu einem Konzert, auf dem Levon spielt und morgen nach Vancouver, wie ihr wahrscheinlich schon wisst.
Hier noch ein paar neue Fotos von Ottawa und Soo für euch - viel Spaß.

Ottawa


"Soo"

2008/01/04

Kriminalität und Edmonton

moin.
unsere reise von Winnipeg nach Edmonton war zwar landschaftlich mal wieder sehr schön, aber irgendwo zwischen Winnipeg und Saskatoon hat man uns die reisefinanzen geklaut. irgendwie hat es die dame hinter mir geschafft, ungefähr 250 $ aus den geldbeuteln zu stehlen, die in der tasche unter meinem sitz, zwischen meinen füßen steckten. sehr geschickt, muss man ihr lassen. nachdem wir es in Saskatoon bemerkten und uns dazu noch einfiel, dass wir von einem der 50$-scheine ein foto zu erinnerungszwecken hatten, gingen wir frohgemut zur polizei. immerhin wussten wir, dass die dame noch bis Edmonton durchfahren würde. wir wussten also, wann sie wo sein würde und die sereinnummer eines der scheine hatten wir ja auf dem foto. der polizist war sehr lieb und hilfreich und konnte die polizei in Edmonton tatsächlich überreden, die frau abzufangen und um einen blick in ihre tasche zu bitten. leider war sie zu abgebrüht und hat sich geweigert. sie konnten sie nicht zwingen, weil wir sie nicht auf frischer tat ertappt hatten und die polizei also keine durchsuchungserlaubnis hatte.
Saskatoon war trotzdem schön. nicht so bitterkalt wie Winnipeg, wo uns minus 19 grad ganz schön geschockt hatten. zum glück war es dort fast windstill, normalerweise stürmt es. in Saskatoon warens nur minus 9, aber stürmisch. wir sind im dunkeln um 6 uhr morgens losgelaufen und haben uns auf der anderen seite des Saskatchewan-flusses ein ganz klassisches diner gesucht. mit elvis- und marilyn-fotos an allen wänden. lecker gefrühstückt, den sonnenaufgang abgewartet und beim bezahlen das fehlende geld bemerkt. also auf zur polizei, mit beweisfoto. dann zur busstation gerannt, gerade noch den mittagsbus nach Edmonton erwischt und gegen 18 uhr schon angekommen, weils der expressbus war. dann wurde es schwierig: unser hostel liegt in Old Strathcona, der alten altstadt oder so. über den fluss von downtown, oder 30 blocks weit. laufen war nicht. aber busfahren? es gibt hier ca. 150 buslinien, die stadt ist anscheinend sehr weitläufig. der zweite busfahrer, den wir fragen, welche linie denn gut wäre, nimmt uns gleich mit, schenkt uns die fahrt und den transfer (das ist der wisch, auf dem steht, bis wann man bezahlt hat). nach einiger kurverei und 2 mal umsteigen haben wir es ins hostel geschafft, ein ehemaliges kloster. aber keine falschen vorstellungen, es ist im 20. jahrhundert enstanden. völlig überheizt, aber ganz nett. am nächsten tag haben wir Old Strathcona erkundet, scheint eine alte westernstadt zu sein. goldrausch, ölrausch usw... und natürlich haben wir uns die West Edmonton Mall angesehen, das größte einkaufszentrum nordamerikas, bis 2004 das größte der welt. irre, sowas. mittendrin eine eislauffläche in voller größe, ein wasserbecken mit schlauchboot-autoscooter, ubooten und seelöwenshow. ein eigenes chinatown, eigene polizeistation, über 800 geschäfte, 23.000 angestellte. einfach unglaublich. es ist noch immer nachweinachtlicher ausverkauf. diesmal fiel was für mich ab: cordsakko und schuhe. juhu. danach waren wir rechtschaffen müde und haben nur noch was zu essen gekauft, diesmal bei Safeway, viel zu teuer da.
heute wird downtown besichtigt. hochhäuser hauptsächlich. mal schauen, ob sich das lohnt. und heut abend um 20 uhr geht unser nachtbus nach Kamloops. wir haben Genevieve und Levon schon per email vorbereitet auf unsere frühmorgendliche ankunft, damit sie nicht aufschrecken und die polizei rufen, wens an der haustür rappelt.
machts erstmal gut, wir lesen/sehen uns demnächst.

2008/01/03

bilderflut

Heute sind wir mal tagsüber mit dem Bus durch die kanadische Landschaft gedüst und drum habe ich es endlich geschafft, ein paar neue Bilder für euch zusammenzusuchen. Es geht also weiter mit Toronto und den Niagarafällen sowie ein bißchen Ottawa. Aber nur ein bißchen. So lang ist die Fahrt schließlich auch wieder nicht gewesen und neue Fotos schießen und schlafen muss man ja auch noch nebenbei. Gerade nach so einem furchtbaren Start in den Tag... aber den Bericht wird Dan nachher verfassen.
Hier also viel Spaß beim Weitergucken.

Toronto vom 22.-25.12.:



Niagarafälle am 25.12.:


und gleich weiter in die Hauptstadt Ottawa am 25.12.: